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Ich höre deine Stimme

'nabend zusammen, es ist keine Kurzgeschichte. Aber der Text ist kurz und bündig. Ich wünsche Euch viel Freude damit! Liebe Grüße Christiane (Paula Grimm) Ich höre deine Stimme oder lange Freundschaft schützt vor Liebe nicht Das Telefon klingelt am Samstagnachmittag. Ich nehme den Anruf entgegen und sage einfach nur meinen Nachnamen. Ich höre deine Stimme, die ich seit etwas mehr als einem halben Jahr nicht habe hören dürfen. Ich höre deine Stimme nach dieser längeren Zeit, und es ist nicht so, als hörte ich sie zum ersten Mal. Ich höre deine Stimme und erkenne sie sofort. Ich höre deine Stimme, und sie ist mir so lange vertraut, dass ich die Jahre nicht mehr an den Fingern meiner linken Hand, die von Herzen kommt, abzählen kann. Ich höre deine Stimme, und sie ist mir so vertraut, dass ich mich von der ersten Silbe deiner Worte an ihr anvertrauen kann. Ich höre deine Stimme und kann und will nicht anders als sie mir zu Herzen gehen zu lassen. Ich höre deine Stimme und finde endlich wieder einmal ein für mich neues Wort. Ich höre deine Stimme und weiß nach mehr als vier Jahrzehnten endlich, was mit dem Wort Herzensmann gemeint ist. Ich höre deine Stimme, die tief, warm und aufgeraut genug ist, dass ihr kein falsches Wort so einfach "'rausrutscht". Ich höre deine Stimme und fühle und weiß, dass jedes einzelne Wort und sogar jede einzelne Silbe mir gilt. Ich höre deine Stimme und höre jedes Wort so gern, dass ich selbst kaum etwas sage. Ich höre deine Stimme, die von dir erzählt und sich dabei voll und ganz für mich Zeit nimmt. Ich höre deine Stimme, die mich nicht herausfordert, selbst viel zu sagen. Ich höre deine Stimme, die sich nicht darüber beklagt, dass ich wenig sage. Ich höre deine Stimme und bin auch dankbar dafür, dass du darauf verzichtest sie für Vorwürfe darüber zu benutzen, dass ich in der letzten Zeit vollkommen zurückgezogen war. Ich höre deine Stimme und bin auch dankbar dafür, dass du mit ihr die Zeit, in der wir einander nicht hatten, so mühelos wie herzlich überbrückst. Ich höre deine Stimme und habe sofort ein neues Ohr. Ich höre deine Stimme und habe endlich ein offenes Ohr für dich. Ich höre deine Stimme und habe ein neues Herz. Ich höre deine Stimme und habe endlich sofort ein offenes Herz für dich. Ich höre deine Stimme, mit der du zeigst, wie sehr du dich über mein neues, offenes Ohr und mein neues, offenes Herz freust. Ich höre deine Stimme und bekomme zu hören und zu fühlen, wie sehr du dich bei unserem Gespräch entspannst und stärkst. Ich höre deine Stimme, wie sie sich schließlich schweren Herzens von mir verabschieden muss. Und dann höre ich deine Stimme nicht mehr. Das Telefon bleibt still. Und ich höre in der Stille eine Stimme. Ich höre eine Stimme, die mit dem Klang desjenigen Menschen fragt, der meiner unbedingt habhaft werden will, was ich nun wirklich anfangen kann mit meinem neuen, offenen Ohr, meinem neuen, offenen Herzen, mit dir, mir und uns. © Paula Grimm, Februar 2012

1.11.13 19:16, kommentieren

Schreiben im November (NaNoWriMo)

Tach zusammen,

meine Schreibarbeit steht im November ganz im Zeichen des NANoWriMo (National Novel Writing Month). So weit ich informiert bin, stammt diese Idee ursprünglich aus Italien, wo Autoren, die an einem Roman arbeiten, sich selbst und anderen zeigen, was sie können, wie sie ein Romanprojekt voranbringen können. Es gilt, an jedem Tag im November so viel zu schreiben, dass am 30. des Monats 50.000 Worte für das Projekt gemacht wurden.

Ich habe gestern Abend mit leichter Verspätung also beschlossen, dass ich am NaNoWriMo 2013 mit meinem aktuellen Projekt, dem Felicitasroman teilnehme.
"'ran an den Speck!"
Selbstverständlich werde ich Euch in diesem Blog auf dem Laufenden über die Fort- und Rückschritte berichten. Und natürlich gibt es auch Kostproben aus dem Felicitasprojekt, das Ihr vollständig unter http://texthaseonline.com findet.

Liebe Grüße

Christiane (Paula Grimm)

2.11.13 10:00, kommentieren

Klappentext: Felicitas: Die ersten sieben Leben eines Pumas

Guten Tag Ihr Lieben, hier kommt der Klappentext zu meinem aktuellen Romanprojekt. Liebe Grüße Christiane (Paula Grimm) Klappentext Niederrheinkurier 17. März 1977 Brutale Vergewaltigung an der Bushaltestelle Jungfernweg Wie die örtliche Kriminalpolizei mitteilt, wurde am Mittwoch dem 16. März gegen 19.10 Uhr die siebzehnjährige Friseurin Terese Haechmanns an der Bushaltestelle Jungfernweg in Tannhuysen brutal überfallen und vergewaltigt. Sie wurde, nachdem sie an der Bushaltestelle ausgestiegen war, von drei Männern mit Vogelmasken überfallen und zumindest von einem der Männer hinter dem Bushäuschen vergewaltigt. Der Mann trug eine Taubenmaske. Seine beiden Helfershelfer sollen eine Papageien- und eine Spatzenmaske getragen haben. Das erklärten die Geschädigte und Richard Bongartz, der zufällig mit dem Fahrrad am Tatort vorbei kam, und dem es zumindest gelang die Täter in die Flucht zu schlagen. Bislang konnten die Täter nicht ermittelt werden. Tannhuysener Gemeindeblatt: . 1978 1. Kalenderwoche Wir sind glücklich über die Geburt von Felicitas Haechmanns, geboren am 28.12.1977 um 19.28 Uhr in Tannhuysen. Herzlich willkommen, Fee! Terese, Isabel und Heinrich Haechmanns!

3 Kommentare 2.11.13 10:17, kommentieren

Engelbuch: 03. Wenn Engel reisen

Wenn Engel reisen, gibt es zwei Möglichkeiten. Sie Reisen selbstständig mit der Kraft ihrer Flügel. Oder sie werden entsendet. Bei der Vorbereitung auf unseren Erdeinsatz hat man uns nicht gesagt oder gezeigt, wie es ist in Menschengestalt die Reise zur Erde zu machen. Man hat uns nur gesagt, dass wir drei Schritte durch die goldene Tür machen müssen, und dass wir uns danach um nichts mehr kümmern brauchen. Die drei Schritte durch die goldene Tür, die sich von Gottes Hand geöffnet und geschlossen hat, habe ich getan. Und dann stehe ich ganz einfach da und werde bewegt. 
Ich nehme an, dass sich die meisten Menschen diese, meine Reise zur Erde, wie einen Sinkflug vorstellen, weil der Himmel von der Erde aus oben ist. Aber so ist es nicht. Denn vom Himmel aus bestehen nicht nur bezogen auf die Zeit vollkommen andere Verhältnisse als auf Erden. Denn Gott und der Himmel und alles, was dazu gehört, ist ewig. So wie die Zeit nach himmlischem Maß ewig ist, ist der Raum nach himmlischem Maß unendlich. Also falle ich nicht vom Himmel herab. Und das gilt, obwohl es für einem Menschen, der meine Ankunft sehen würde, wohl so aussehen müsste. Ich stehe einfach aufrecht da, auf einem warmen, weichen Wasser, in das ich aber nicht einsinke. Es ist wie ein Meer, auf dem ich durch Wellengang auf und ab und vorwärts getragen werde. Doch mein Körper wird nicht einfach geradeaus geführt, sondern ich werde in Schlangenlinien getragen. Ich weiß, dass ich mit sehr großer Geschwindigkeit zu meinem neuen Bestimmungsort gebracht werde. Aber die Fahrt, wenn man es so nennen will, fühlt sich geradezu gemächlich an. Im Großen und Ganzen gefällt mir dieser Transport. Diese Art zu reisen ist für mich fast ein ungetrübtes Vergnügen, wenn ich schon nicht selbst fliegen oder Motorrad fahren kann, ist so eine Fahrt auf etwas wasserähnlichem mit angenehmer Temperatur schon in Ordnung. Aber für meinen Geschmack dürfte sich die Fortbewegungsart ruhig um Einiges schneller anfühlen. Natürlich ist mir klar, dass diese Art des Reisens von A bis Z auf Engel wie Dorothea Glück abgestimmt sind. Und die möchten bequem und gemütlich reisen. Dennoch frage ich mich wirklich, wozu gestandene Engel, ob frischgebackene Schutzengel oder nicht, so einen Schongang brauchen. 
Kaum habe ich das gedacht, da schaltet mein Chef für mich den Turbo ein. Und nur, um einen einigermaßen angemessenen Vergleich zu ziehen, das sind gefühlte 150 Kilometer pro Stunde auf dem Motorrad."Vielen herzlichen Dank, mein Herr und Meister!" 
"Stella,ich heiße Gabriel!" 
"Vielen herzlichen Dank, Gabriel!" 
"Na, geht doch! - Aber da nicht für!" 
So macht die Anreise zur Erde erst richtig Spaß! 
Während des gesamten Transports halte ich die Augen geschlossen. Und dennoch sehe ich verschiedene Sterne, roten, goldenen und silbernen Glanz. Und bevor ich meinen Bestimmungsort erreiche, umrunde ich die Erde vollständig. Und dann fühle ich plötzlich Erde unter meinen Füßen, ohne einen Aufprall zu spüren. Ich weiß, dass ich angekommen bin. Noch einen Augenblick halte ich die Augen geschlossen, um mich zu sammeln.

5.11.13 11:42, kommentieren

04. Die Berührung

Ich öffne die Augen. Es ist bereits fast dunkel. Es muss also ungefähr zehn Uhr abends sein, denn wir haben den 21. Mai. Ich stehe auf einer Wiese in einem Park. Und ich weiß, was ich zu tun habe. Schließlich hat mir Gabriel den Anfang meiner Mission gezeigt. 
Ich gehe mit zügigen Schritten von der Wiese auf den Weg, der zu einem der Ausgänge des Parks führt. Ich habe den Park noch nicht verlassen, als ich ein Auto mit hoher Geschwindigkeit auf der Straße höre. Dann folgt ein Aufprall. Und das Auto braust davon. Ich beginne zu rennen. Am Ausgang des Parks wende ich mich nach rechts und laufe an der Bushaltestelle vorbei. Ich weiß, wo Magdalena liegt. Während ich laufe, schaffe ich es tatsächlich meine Gedanken auf die Schritte und auf das zu lenken, was ich zu tun habe. Und als ich die Stelle erreiche, an der Magdalena liegt, bin ich innerlich vollkommen ruhig. Magdalena liegt bewusstlos da. Damit ich sie schützen kann, damit wir sofort miteinander verbunden sind, muss meine Menschenhand wieder zu einer Engelhand werden. Nur eine Engelhand kann einen schwer Verletzten so sanft und doch so stark berühren, dass er ein Siegel bekommt, das der Tot nicht antasten kann, und das doch so sanft ist, dass die Heilung beginnen kann. Und dieser Schutz ist so, dass die meisten Menschen ihn nicht bemerken. Denn man kann das Siegel nicht sehen oder fühlen. Obwohl man diese Fähigkeit auch als Schutzengel in Menschengestalt selten braucht, habe ich sorgfältig geübt, was ich tun muss, um meine Hand zur Engelhand zu verwandeln. In dieser Hinsicht bin ich wie als Mensch auch ein Linkshänder. Ich richte, mein drittes Auge konzentriert auf meinen linken Handrücken und bin erleichtert, dass meine Hand zu leuchten beginnt. Sie erfüllt sich mit einer besonderen Wärme, Kraft und mit einem rotgoldenen Glanz. Ich beuge mich sanft zu Magdalena herunter und berühre sie mit der Hand, die von Herzen kommt, am Kopf, der schwer verletzt ist und am Herzen. Danach richte ich mich wieder auf und mache das Kreuzzeichen über ihr. Und in der ganzen Zeit halte ich den Blick meines dritten Auges auf meine Hand gerichtet. Danach wende ich meinen Blick von meiner Hand ab. Das Leuchten und die Wärme hören sofort auf. 
Ich greife in die Tasche meiner Lederjacke. In der Tasche, in der sich mein Personalausweis befindet, steckt auch ein flaches Handy. Ich habe gelernt mit den technischen Dingen sicher umzugehen. Ich nehme das Handy und wähle die Nummer des Notrufs.Ich melde den Unfall. Und es fällt mir überhaupt nicht schwer, dass ich dabei meinen neuen Namen sagen muss. Und wo wir sind, weiß ich, weil ich das Schild an der Bushaltestelle gesehen habe. Wir sind in der Nähe der Bushaltestelle Venuspark. 
Als ich das Handy wieder eingesteckt habe, ist es um mich her wieder sehr still. Und jetzt habe ich nichts zu tun als zu warten. Und prompt fechten mich Gedanken des Zweifels an. Habe ich wirklich alles richtig gemacht? Genügt, was ich getan habe? War es wirklich nur mein Auftrag Magdalena zu retten? Oder hätte ich den Unfall verhindern müssen? Und dann ist die alte Frage auch wieder da, warum Menschen einander so viel Leid zufügen. Und als mir diese Frage durch den Kopf geht, die ich mir in meiner Zeit als Seelenführer schon so oft gestellt habe, beginne ich mit mir selbst zu schimpfen."Stella Engel, du bist ein blutiger Anfänger! Du müsstest doch wirklich langsam begriffen haben, was es mit dem freien Willen der Menschen auf sich hat, und wie Schaden wieder gut gemacht wird." 
Dann höre ich die Martinshörner. Polizei und Notarztwagen kommen gleichzeitig am Unfallort an. Die Sanitäter kümmern sich um Magdalena. Jetzt wird sich gleich zeigen, ob es mir gelungen ist, das Band zwischen Magdalena und mir richtig zu knüpfen. Und als die beiden Männer die Bahre, auf der Magdalena liegt, in den Krankenwagen geschoben haben und los fahren, kann ich dem Geschehen in dem Auto folgen ohne bewusst hinsehen oder hinhören zu müssen. Und ich bin unendlich erleichtert. Und obwohl meine Gedanken und Gefühle Magdalena mühelos begleiten können, kann ich die Fragen der Polizisten beantworten. Als hätte ich nie etwas anderes getan, zücke ich meinen Personalausweis, als mich die junge Polizistin nach meinem Namen fragt. Und auch diesmal kommt mir mein Name ganz leicht über die Lippen. Ich erzähle den beiden Beamten, dass ich einen Spaziergang im Park gemacht habe, als plötzlich das heranfahrende Auto und der Aufprall zu hören waren. Um meine Aussage zu Protokoll zu geben, fahre ich mit den Polizisten zum Revier. Als wir an der Polizeistation ankommen, stelle ich fest, dass Magdalena bereits in den Operationssaal gebracht wird. 
Es dauert nicht lange das Protokoll anzufertigen. Die beiden Beamten, die mich zum Präsidium gebracht haben, bieten mir freundlicherweise an, mich nach Hause zu bringen und ich nehme dankend an. Und so stehe ich um viertel nach elf vor meinem Zuhause im Brunnenweg 12. Ich muss klingeln, denn einen Schlüssel habe ich zu dem Haus, das meiner Mitbewohnerin gehört, noch nicht. Ich klingele, und während ich darauf warte, dass mir Raela öffnet,höre ich eine mir wohlvertraute Stimme. 
"Stella, das war eine gute Arbeit!" 
"Herzlichen Dank, Herr und Meister!" " "Stella, ich heiße Gabriel!" "Herzlichen Dank, Gabriel!" "Na, geht doch!"

11.11.13 09:12, kommentieren